Ortsgeschichte Wiesenthau

Dem Besucher, welcher sich Wiesenthau aus Richtung Forchheim-Reuth nähert, bietet sich ein eindrucksvoller Anblick.

Auf einer leichten Anhöhe thront vor dem imposanten Hintergrund der Ehrenbürg, auch "das Walberla" genannt, die wehrhafte Schloßanlage Wiesenthau.

Das Ortsbild wird von dem imposanten Renaissancebau der Edlen von und zu Wiesenthau beherrscht, an den sich die Kirche, ehemals Schloßkapelle, anschließt. Diese enge Verbindung von Schloß und Kirche hat die Entwicklung des Ortes und das Geschick seiner Bewohner maßgebend beeinflußt.

St. Walburga Kapelle auf dem Walberla
St. Matthäus Kirche in Wiesenthau
Schloss Wiesenthau
Herren von und zu Wiesenthau
Ortskern Wiesenthau

Die Besiedlung im Wiesenthauer Ortsgebiet beginnt mit der Landnahme der Franken, die aus dem Rheinmündungsgebiet kommen, im Main - Regnitzgebiet. Unter den karolingischen Königen gründen sie Königshöfe u. a. in Hallstadt, Königsfeld und Forchheim. Als nun der Königshof Forchheim mit 37 dazugehörigen Ortschaften von König Heinrich IV. im Jahr 1062 an das Bistum Bamberg zurückgeschenkt wird, kommt unter diesen Ortschaften auch ein "Wisentouua" vor.

Es kann sicher angenommen werden, daß zwischen 1007 und 1062 Wiesenthau als Ausbausiedlung im Königshofbezirk Forchheim entsteht und von königlichen Beamten verwaltet wird.

Mit der Schenkung des Königshofes werden nun die königlichen Beamten bischöflich-bambergische Ministeriale. Von diesem Zeitpunkt an ist Wiesenthau bischöflich-bambergischer Besitz und wird immer wieder einem Herren von und zu Wiesenthau zu Lehen gegeben.

Die Herren von Wiesenthau, welche schon im Jahre 1128 urkundlich bezeugt sind, zeichnen für den Bau dieses Schlosses verantwortlich.

Der Südflügel mit seinen markanten Ecktürmen stammt aus dem 14. Jahrhundert. Eben zu dieser Zeit wurde das Schloß dem Hochstift Bamberg als Lehen überlassen. Wahrscheinlich die Hussiten- und Bauernkriege sorgten für eine massive Zerstörung. Ab dem Jahre 1529 begann man die Anlage wieder aufzubauen. Es entstand dabei der Süd- sowie der Westflügel mit zwei Ecktürmen. Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts brachte dann die Fertigstellung des Ostflügels mit dem Treppenturm.

Nicht übertrieben ist es, wenn behauptet wird, Wiesenthau besitzt eines der eindrucksvollsten Renaissance-Schlößchen Deutschlands. Die Herren von Wiesenthau, die ehemaligen Besitzer starben im Jahre 1814 aus.

Heute befindet sich das Schloß in privatem Besitz und dient als Hotel sowie als Restaurant und ist damit ein attraktiver Anziehungspunkt für Reisende geworden.

Wie es im einzelnen den Bewohnern des Ortes im Auf und Ab der Geschichte erging, darüber gibt es kaum gesicherte Quellen.

Im frühester Zeit waren die Häuser rings um das Schloß meist Anwesen von Landarbeitern und Handwerkern. Davon zeugen heute noch einige Hausnamen wie z.B. "Stoll" (früherer Schloßstallverwalter), "Fromo" (Frondienstmann), "Müller", "Weber". Diese Leute waren Dienstboten oder Grundholden des Schloßbesitzers, der seine Felder, Wiesen und Wälder von diesen Leuten bebauen ließ oder an sie verpachtete.

Im Südostturm des Schlosses war das Gefängnis untergebracht, in dessen alten Mauern Inschriften der Gefangenen eingekratzt sind, die hier ihre kleinen oder größeren Vergehen sühnen mussten.

Unter den Kriegswirren und Feindeinfällen der Jahrhunderte, die, wie berichtet, Schloß Wiesenthau nicht verschonten, hatten die Umwohner sicher in hohem Maße zu leiden. Aus einem Schreiben des Friedrich Christoph von Wiesenthau erfahren wir einiges.

Um 1700 bittet er um Aufschub seiner Schuldenlast, denn"...der Dreißigjährige Krieg hätte alle Erträgnisse auf den Gütern zunichte gemacht. Durch Einquartierungen, Steueren, Durchzüge und andere Lasten seien die Untertanen so erschöpft, daß keine wietere Kontribution mehr möglich wäre". Zudem mußten sie bei Neu- und Wiederaufbauarbeiten am Schloß immer wieder Frondienste leisten.

Vielleicht haben es die Menschen der damaligen Zeit als eie Befreiung empfunden, als die Gebiete der bisher reichsunmittelbaren fränkischen Ritterschaft 1802 an das spätere Königreich Bayern fielen. Somit hörten Frondienste und mancherlei Lasten der ritterlichen Gutsherrschaften auf.

Auch die Bewohner Wiesenthaus und Schlaifhausens konnten sich jetzt freier entfalten, trieben Handel mit ihren Erzeugnissen auf den Märkten der Städte und kamen als" hausierende Händler" weit herum, bis in die Oberpfalz und Niederbayern. Von ihren hart erarbeiteten Verdiensten spendeten sie gerne die notwendigen Renovierungen und die Ausgestaltung ihres Gotteshauses.

Das historische Panorama Wiesenthaus wird im Osten des Schlosses durch die Silhuette der Pfarrkirche St. Matthäus vervollständigt.

Ursprünglich Schloßkapelle wird sie in Wiesenthau bereits 1410 erwähnt. Der Westturm und die Fassade sind spätmittelalterlich. 1846 wurde das Langhaus umgebaut. 1901 Verlängerung und Chorneubau. Wichtigste Kunstschätze darin sind der Hochaltar aus dem späten 17. Jahrhundert mit Figuren des 16. Jahrhunderts, der hl. Sebastian im rechten Seitenaltar um 1500, die hl.Ottilie von Friedrich Theiler um 1800, ein Sandsteinrelief "Christus der Kinderfreund" sowie drei Grabdenkmäler der Familie von Wiesenthau.

Zur Gemeinde Wiesenthau gehört auch die kath. Kapelle St.Walburga, welche sich auf dem "Walberla", der nördlichen Kuppe der Ehrenbürg befindet und dort den Abschluß des markanten Hochplateaus dieses Berges bildet. In ihr befindet sich die nachgotische Figur der hl. Walburga aus dem 16. Jahrhundert sowie zwei Apostelfiguren des ausgehenden 17. Jahrhunderts.

Erstmals wurde dort eine Kapelle um 1360 erwähnt. Der gegenwärtige Bau stammt aus der Zeit zwischen 16. und 17. Jahrhundert und wurde 1901 erneuert.

Lit.: Teile des Textes sowie Fotos stammen aus dem Buch "St.Matthäus Wiesenthau - und Walburgiskapelle auf der Ehrenbürg" von Maria Kroder