Ortsgeschichte Schlaifhausen

An dem sonnigen Abhang der Ehrenbürg, in einer Höhe von 351 bis 385 m, liegt der Ortsteil Schlaifhausen. Das trutzige Massiv des Rodensteins (532 m) schützt vor den kalten Nordostwinden.

"sleufhausen"

Ein Dorf wie Schlaifhausen wird natürlich in der großen Weltgeschichte nicht erwähnt. Um so mehr freut man sich, daß im "Registrum Burghutariorum ecclesiae Babenbergensis" sleufhausen zum ersten Mal urkundlich genannt wird.

Im Jahre 1362 bestätigt Bischof Leupold von Bamberg der Frau des Eberhard von Wiesenthau "an und über drei Güter in sleufhausen gelegen", die von der Kirche als Lehen kommen. Man weiß also, dass anno 1362 drei Güter, in sleufhausen gelegen, als Lehen vergeben wurden.

In den "Ortsnamen des ehemaligen Hochstifts Bamberg" von Ziegelhöfer/Hey wird der Name wie folgt erklärt: sleufhausen heißt "zu den Häusern an der Schleife". Im Mittelhochdeutschen bedeutet das Wort "sleife" schmaler Waldweg zum Schleifen des Holzes. In der Umgebung von Schlaifhausen gibt es den Eichelberg und das Gaubachholz, zwei Örtlichkeiten, aus denen Holz geschleift wurde.

Die Annahme liegt nahe, daß beim Bau des Wiesenthauer Schlosses, begonnen etwa in der Zeit zwischen 1150 und 1200, das Holz vom Eichelberg geholt wurde.

Dieser Eichelberg ist ein Waldgebiet, das auch heute noch bis ans obere (östliche) Ende des Dorfes reicht, und an dieser Holzschleife siedelten sich die ersten Menschen an. Sicher entstand so sleufhausen, ein Straßendorf, an einer nahezu schnurgeraden Verbindung vom Wald zu Schloß Wiesenthau.

Die Lehensverschreibungen, die in den Archiven über unseren kleinen Ort lagern, zeigen, dass die Schäferei und auch der Weinbau in damaliger Zeit wichtig waren. Wein war der Haustrunk und wurde erst später durch das Bier verdrängt. Immer wieder wird in den Lehensverfügungen ein "Weingart an der Ehrenbürg" verliehen.

Doch 1694 heißt es in einer solchen: ein "Weingart an der Ehrenburg gelegen, ietzo zu Veldt gemacht".

Die Zeit von 1450 - 1850 war merklich kühler. Die Klimatologen nennen diese Spanne die "Kleine Eiszeit". Damals rückten die Gletscher weltweit über ihre heutigen Grenzen vor. Der Höhepunkt war um 1700. So hörte der Weinbau in unserem und den weiter nördlich gelegenen Gebieten auf. Heute erinnern nur noch Flurbezeichnungen daran. An seine Stelle trat der Obstbau.

Es war kein leichtes Leben, das unsere Vorfahren unter der Lehensherrschaft der weltlichen und geistlichen Fürsten und der verschiedenen adeligen Herren bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hatten. Besonders schwer traf es die bäuerliche Bevölkerung. Von allem, was sie besaßen und erzeugten, mußten sie ihre Abgaben entrichten und waren vielfach der Willkür der Herrschenden ausgeliefert, weil es keine einheitlichen Verordnungen gab.

Zudem konnten die Lehensherren ihr Lehensgut verkaufen oder vererben, was dann immer wieder einen Wechsel der Herrschaft bedeutete.

In den mannigfachen Kriegszügen wurden ihre Felder verwüstet, ihr Vieh geraubt und sie selbst oft gepeinigt und umgebracht.

Maximilian Josef von Bayern hob 1808 die Leibeigenschaft auf, nachdem das ganze fränkische Land dem Königreich Bayern zufiel. Teilweise verzichteten die alten Gutsherren auf ihre althergebrachten Rechte, teilweise vereinbarte man Entschädigungen.

1911 war Schlaifhausen eine der ersten Gemeinden der Umgebung, die sich das elektrische Licht einrichten ließ. Unmittelbar darauf erhielt sie auch Anschluß an das Forchheimer Telefonnetz.

 

1924 wurde wegen häufigen Wassermangels eine eigene Wasserleitung gebaut und erst 1964 schloß sich der Ort an den Wasserverband der Ehrenbürggruppe an.

Unternehmungsgeist und Fortschritt

Man kann feststellen, dass wir unseren Vorfahren Respekt zollen müssen. Sie waren einst keine unterwürfigen Lehensleute, sondern wagten es, ihre Rechte zu verteidigen, zeigten Unternehmungsgeist und paßten sich dem Fortschritt an. Sie schufen sich ein funktionierendes Gemeinwesen.

1946 gründete man einen Kirchenbauverein, dem 58 Familien beitraten. Den unmittelbaren Anlaß zum Baubeginn gab Geistl. Rat Johannes Erlwein, als er im Herbst 1947 5.000 RM zum Bau einer Kapelle stiftete. Am 18. August 1949 konnte in einem feierlichen Akt die Kirche eingeweiht werden.

Der schlichte, klar gegliederte Bau orientiert sich in seiner Grundkonzeption an romanischen Stilelementen. Die roh behauenen, unverputzten Sandsteinquader bewirken in ihrer Gesamtheit ein besonders schönes Farb- und Schattenspiel. Der Turm mit seinem einfachen Spitzdach steht mit einer Höhe von 32 m im richtigen Verhältnis zum Hauptbau, insgesamt dem fränkischen Stufenland angepaßtes Bauwerk.